Die meisten Gäste des Canareef Resort kennen ihn nicht. Sie überqueren die Brücke nach Hulhumeedhoo, laufen vielleicht durch ein paar Gassen, schauen sich den alten Friedhof an und gehen zurück. Den Mathikilhi Eco Garden findet man nur, wenn man wirklich sucht oder jemanden fragt, der auf der Insel lebt. Und genau das macht ihn sehenswert.
Was Mathikilhi eigentlich ist
Der Mathikilhi Eco Garden ist ein Feuchtgebiet und Grasland im Zentrum von Hulhumeedhoo, Addu City, auf den Malediven. Er ist der erste Feuchtgarten der Malediven und rund 50 Hektar groß.
Das Gebiet umfasst über 54 Hektar, davon etwa 25 Hektar zwei Seen und rund 50 Hektar üppig grünes Seegrassland. Einer der Seen ist der berühmte grüne Fenfila Koaru.
Fenfila Koaru heißt auf Deutsch sinngemäß „Fluss des Grünen Barschfisches“ und ist das Herzstück des Gartens. Ein stilles, grünes Gewässer, umgeben von Schilf und tropischer Vegetation. Mitten auf den Malediven, wo man eigentlich Strand und Ozean erwartet, liegt hier ein Ort der aussieht wie ein norddeutscher Natursee – nur heißer, grüner und von Palmen umgeben.
Die Geschichte dahinter
Was heute wie eine selbstverständliche Sehenswürdigkeit wirkt, war früher kurz davor zu verschwinden. Das Mathikilhi-Gebiet in Meedhoo war früher von Süßwasserseen durchzogen, der größte davon der Fenfila Koaru im Zentrum des Feuchtgebiets. Dieser See, der sich früher durch verschiedene Bereiche der Insel schlängelte, verwandelte sich vor etwa 20 Jahren größtenteils in Sumpfland. Mit ihm verschwanden auch die meisten kleineren Seen der Umgebung. Nur ein letzter See blieb übrig.
Dieser letzte See wurde durch die Initiative einiger Einwohner von Meedhoo gerettet und als Mathikilhi Eco Garden erhalten. Initiiert wurde das Projekt von Mohamed Salah und Abdulla Zuhury aus Meedhoo, denen sich später weitere Freiwillige anschlossen. Die erste Aufgabe war, den See von Müll zu befreien, das Seegras zu entfernen und einen Rundweg anzulegen.
Das ist kein staatliches Vorzeigeprojekt. Das ist eine Gemeinschaft, die ihr letztes natürliches Wasservorkommen selbst gerettet hat, mit eigenen Händen und Eigenmitteln. Betrieben wird der Garten bis heute von der Mathikilhi Society, einer lokalen NGO aus Meedhoo.
Was man dort sieht und erlebt
Der Eco Garden beherbergt verschiedene Tier- und Pflanzenarten wie Tulpenbaum, Eisenholz und Schraubenpalme. Im Feuchtgebiet leben mehrere Fischarten, darunter Tilapia und andere heimische Arten.
In den Teichen sind Süßwasserfischarten heimisch, darunter der Grünstreifen-Barsch und eine Sumpfaalart.
Vögel gibt es in Hülle und Fülle. Wer früh morgens kommt, erlebt den Garten in seinem besten Zustand: Stille, Vogelstimmen, das leise Rascheln im Schilf. Keine anderen Touristen, oft nur Einheimische die ihren Morgenspaziergang machen.
Entlang des angelegten Spazierwegs kann man außerdem ein natürliches, warmes Schlammbad nehmen, das reich an Mineralien und Nährstoffen für die Haut ist. Das klingt nach einer exzentrischen Aktivität, ist aber durchaus beliebt bei Einheimischen und den wenigen Touristen, die sich hierher verirren. Der Schlamm ist warm, dunkel und soll die Haut angeblich seidig machen. Wir haben es ausprobiert. Es ist zumindest eine Geschichte, die man erzählen kann.
Wie man hinkommt
Vom Canareef Resort geht man über die Brücke nach Hulhumeedhoo, nimmt sich ein Fahrrad vom Resort oder läuft. Von Addu City aus dauert die Fahrradtour etwa 30 bis 45 Minuten. Der Weg ist vergleichsweise flach und landschaftlich schön.
Der Eco Garden liegt an der Majudhudheen Magu in Meedhoo. Kein Eintritt, keine Öffnungszeiten im klassischen Sinn, kein Eingangstor. Man geht einfach rein. Am besten früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn die Hitze nachlässt.
Warum es sich lohnt
Die Malediven werden fast ausschließlich als Strand- und Unterwasserreiseziel verkauft. Mathikilhi zeigt eine andere Seite: eine Insel mit Geschichte, mit Feuchtgebieten, mit einer Dorfgemeinschaft, die ihr Erbe selbst schützt.
Manche Besucher können kaum glauben, dass dieser Ort wirklich zu den Malediven gehört, so ungewöhnlich ist die Landschaft.
Wir saßen dort eine Stunde, ohne etwas zu tun außer zuzuschauen. Kein Handy, keine Fotos im ersten Moment, nur dieser seltsam stille Ort mitten auf einer Insel, von der die meisten Touristen niemals gehört haben. Das war einer der besseren Momente der gesamten Reise.






